"Moora", das Mädchen aus dem Uchter Moor - seine Umwelt, sein Leben, sein Gesicht | Nds. Landesamt für Denkmalpflege
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"Moora", das Mädchen aus dem Uchter Moor - seine Umwelt, sein Leben, sein Gesicht

Diskussion am Grabungsprofil.

Am 10. Januar 2005 wurde dem Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege (NLD) ein ungewöhnlicher Fund gemeldet. Bei Torfabbauarbeiten wurde im Großen Moor bei Uchte, (Ldkr. Nienburg) eine mumifizierte menschliche Hand gefunden und zwar genau an der Stelle, an der viereinhalb Jahre zuvor ein menschlicher Leichnam entdeckt worden war. Man hatte die Reste der jungen Frau zunächst mit einem Gewaltverbrechen der 1960er Jahre in Verbindung gebracht. Die einige Jahre zuvor ergebnislos eingestellten Ermittlungen wurden mit dem Neufund wieder aufgenommen diesmal unter Hinzuziehung der Experten vom NLD. Gemeinsam mit den Ermittlungsbehörden konnte der Fund nun als urgeschichtliche Todessache verifiziert werden. Während die Staatsanwaltschaft mit der Feststellung des Todeszeitpunktes um etwa 650 vor Christus den Fall als aus ihrer Sicht gelöst abschließen konnte, begannen nun die Ermittlungen der Archäologie.

Ausgrabungen eines prähistorischen Bohlenweges im nördlichen Bereich des Uchter Moores (Bahrenbostel bei Kirchdorf).

Moorleichen erlauben aufgrund ihrer einzigartigen Erhaltungsbedingungen einmalige Einblicke in die prähistorische Vergangenheit. Der etwa 2.650 Jahre alte Fund eines so gut erhaltenen Körpers ist zudem von besonderer Bedeutung, weil die Menschen in der sogenannten vorrömischen Eisenzeit nach ihrem Tod verbrannt wurden. Die Tote selbst und die besonderen Bedingungen ihres Fundortes eröffneten einmalige Möglichkeiten, in das Leben der Menschen zur damaligen Zeit Einblicke zu nehmen. Seit ihrem Auffinden arbeitet eine Vielzahl von Wissenschaftlern unterschiedlicher Disziplinen an der Erforschung des Lebens und des Lebensumfelds des als „Moora" bekannten Mädchens. Dabei standen sowohl der Landschaftsraum des Uchter Moores und daran angrenzende Gebiete als auch die Person selber im Fokus der Untersuchungen.

Henning Haßmann
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