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Das Ulfberht-Schwert aus Großenwieden, Stadt Hessisch-Oldendorf, Ldkr. Hameln-Pyrmont

Ein legendäres Schwert aus dem frühen Mittelalter


Im Frühjahr 2012 wurde bei Baggerarbeiten im Flussbett der Weser bei Großenwieden ein eisernes Schwert zutage gefördert. Der Finder, Herr R. Kleine aus Hameln-Hilligsfeld, nahm den Fund zunächst mit nach Hause und zeigte ihn gelegentlich eines Vereinstreffens dem Archäologen Prof. Dr. H. Härke aus Coppenbrügge. Dieser erkannte sofort, dass es sich um ein frühmittelalterliches Schwert vom Ulfberht-Typ handelt und meldete den Fund umgehend an das Niedersächsische Landesmuseum Hannover (NLMH) und dem Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege (NLD). Seit Anfang 2013 befindet sich das Schwert im niedersächsischen Landesbesitz und wird im NLD umfassend dokumentiert und restauriert. Es handelt sich hierbei um den ersten Fund eines solchen Schwertes in Niedersachsen; allerdings wurden im Gebiet der Stadt Hamburg - ebenfalls bei Flussausbaggerungen - in der Elbe in den Jahren 1911 und 1957 bereits zwei Ulfberht-Schwerter geborgen.

Großenwieden, Ulfberht-Schwert.  
Ulfberht-Schwert aus der Weser bei Großenwieden. Länge 95 cm.

Mit Ausnahme einer Fehlstelle an der Parierstange ist das Großenwiedener Eisenschwert vollständig erhalten und weist eine Länge von 95 cm auf. Reste einer Schwertscheide und des vermutlich organischen Griffmaterials ließen sich bisher nicht nachweisen. Sowohl die klassische +VLFBERH+T-Signatur auf der Klingenvorderseite, wie auch die geometrische Marke auf der Rückseite sind relativ klar lesbar und den bisher bekannten Einlagen der aus 23 europäischen Ländern vorliegenden Vergleichsfunde zuzuordnen. Namenssignatur und rückseitige Marke gehören zu den jeweils am häufigsten vorkommenden Varianten der insgesamt knapp 170 bekannten Ulfberht-Klingen. Die Ausgestaltung des Gefäßes lässt sich dem von J. Petersen 1919 herausgestellten Typ V zuordnen, der in die erste Hälfte des 10. Jh. datiert wird und bei etwa 15 Ulfberht-Schwertern von Island bis in die Ukraine nachgewiesen ist (vgl. Stalsberg 2008, bes. 111 Karte 3).

CT-Aufnahme und Restaurierung.
Vor dem Monitor Restauratorin Andrea Tröller-Reimer (NLD) und Bezirksarchäologe Friedrich-Wilhelm Wulf (NLD): Röntgen und CT-Aufnahme des Schwertes. Am Mikroskop Restauratorin Monika Lehmann (NLD) während der Restaurierung des Schwertes.

Im NLD und bei seinen naturwissenschaftlichen Kooperationspartnern an der Leibniz Universität Hannover wurden vor Beginn der zur Zeit noch laufenden Restaurierung umfassende Dokumentationsmaßnahmen und archäometallurgische Untersuchungen durchgeführt, die wesentliche neue Erkenntnisse zur Herstellungstechnik und vermutlich auch zum Herstellungsgebiet dieses Schwertes ermöglichen. So wurde neben der Röntgenuntersuchung von Klinge und Gefäß in der Materialprüfanstalt Hannover auch erstmals an einem Ulfberht-Schwert eine computertomografische Aufnahme im Institut für Mehrphasenprozesse veranlasst, die vor allem die aufwändige Halterungskonstruktion des Griffknaufes auf der Knaufplatte veranschaulicht.

Massenspektrometrie, Ulfberht-Schwert.
Dr. Robert Lehmann vor der Anlage zur Massenspektrometrie mit Laserablation im Institut für Anorganische Chemie, Leibniz Universität Hannover. Ulfberht-Schwert, Schwertgriff.

Die archäometallurgischen Untersuchungen im Institut für Anorganische Chemie durch Dr. R. Lehmann ergaben für die Klinge ein hochwertiges, gehärtetes Eisen, das in seiner Qualität fast an heutigen Stahl heranreicht; für die Anbringung der Namenssignatur und der geometrischen Marke wurden damaszierte Drähte aus nickelhaltigem Eisen in zuvor ausgehobene Vertiefungen eingehämmert. Die Gefäßteile sind verziert mit einem Blech aus einer Zinn-Blei-Legierung, wobei der Knaufabschluss mit der Knaufplatte äußerlich mit zwei sich kreuzenden, stark gegerbten Lederbändern verbunden ist. Mithilfe der Laserablations-Massenspektrometrie konnte Lehmann die Herkunft des verwendeten Bleis aus Lagerstätten im Rheinischen Schiefergebirge, genauer im Hintertaunus nördlich von Frankfurt, nachweisen. Es liegt im Bereich des Möglichen, dass der niedersächsische Neufund komplett mit Klinge und Gefäß in der nahe gelegenen Bischofsstadt Fulda oder der näheren Umgebung (Kloster Lorsch?) gefertigt wurde und auf dem Flussweg über die Fulda und die Weser an seinen Fundort bei Großenwieden gelangte.

Friedrich-Wilhelm Wulf


Literatur
Petersen, J., 1919: De norske vikingesvert. En typologisk-kronologisk studie over vikingetidens vaaben. Kristiana 1919.

Stalsberg, A., 2008: Herstellung und Verbreitung der Vlfberht-Schwertklingen. Eine Neubewertung. Zeitschrift für Archäologie des Mittelalters 36, 2008, 89-118.

Ulfberht-Schwert.
Artikel-Informationen

Ansprechpartner/in:
Friedrich-Wilhelm Wulf M.A.

Nds. Landesamt für Denkmalpflege
Scharnhorststraße 1
30175 Hannover
Tel: 05 11 / 9 25 - 53 09
Fax: 05 11 / 9 25 - 52 96

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