Moor- und Feuchtbodenarchäologie | Nds. Landesamt für Denkmalpflege
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Moor- und Feuchtbodenarchäologie

Referat A6


Referentin
Dr. Marion Heumüller
Tel: 05 11 / 9 25 - 53 49
marion.heumueller@nld.niedersachsen.de


Die niedersächsischen Moorgebiete sind mit ihren hervorragenden Erhaltungsbedingungen für organische Materialien herausragende Kulturarchive. Das Spektrum der Objekte ist vielfältig und umfasst Wege, Siedlungen und Lagerplätze, verloren gegangene oder im Moor deponierte Gegenstände, Kultfiguren, Schiffswracks und mit den Moorleichen sogar menschliche Überreste. Das Alter einiger Funde reicht 10 000 Jahre zurück.

Moorwege
Moorwege gehören zu den häufigsten Funden. Aus Niedersachsen sind rund 350 prähistorische bis frühmittelalterliche Wege bekannt. Der weltweit älteste Moorweg, der um 4550 v.Chr. verlegte Pfahlweg Pr 31, wurde im Campemoor entdeckt. Moorwege wurden gebaut, um die ausgedehnten Moorgebiete Nordwestdeutschlands zu überqueren oder um sie zu erschließen. Ihre Untersuchung liefert aufschlussreiche Einblicke in das Siedlungsgeschehen einer Region und den Wandel von Technik und Verkehrsgeschichte. Mit Hilfe paläoökologischer Arbeitsmethoden lassen sich die Wechselwirkungen von menschlichen Aktivitäten, Umwelt- und Klimaveränderungen erschließen.

Campemoor, Pfahlweg.  
Campemoor, Pfahlweg Pr 31, um 4550 v. Chr.

Moorleichen
Moorleichen geben aufgrund ihrer einzigartigen Erhaltung faszinierende und detaillierte Einblicke in prähistorische Lebens- und Todesumstände. Ein breites Spektrum anthropologischer und paläopathologischer Untersuchungsmethoden schaffen hierfür präzise Grundlagen. Im Falle der eisenzeitlichen Moorleiche "Moora" lassen archäologische, paläoökologische und geografische Arbeitsweisen Siedlungsgeschehen, Landschaftsbild und Umweltbedingungen rekonstruieren.

Moorleiche "Moora".  
Uchte, Hand der ca. 2650 Jahre alten Moorleiche "Moora". Rechts Hüde 1, Ausgrabungen in der Pfahlbausiedlung von 1964.

Moor- und Feuchtbodensiedlungen
Moor- und Feuchtbodensiedlungen sind vor allem aus der Dümmerniederung bekannt. Die hier erhaltenen organischen Materialien wie beispielsweise Hausbauelemente, Werkzeuge, Alltagsgegenstände und Speisereste erlauben einzigartige Einblicke in das Leben der Stein- und Bronzezeit. Solche Quellen geben in einmaliger Weise Aufschluss über Lebensbedingungen, Siedlungsgeschehen und Infrastruktur der Vorgeschichte, über technische Innovationen, gesellschaftliche Strukturen sowie geistig-religiöse Vorstellungen. Durch landwirtschaftliche Nutzung, Torfabbau und Entwässerung der Feuchtgebiete ist ein großer Teil dieser herausragenden Zeugnisse von Mensch und Natur bereits zerstört oder akut in seiner Substanz gefährdet. Vordringliche Aufgabe ist daher, die noch erhaltenen Denkmäler zu schützen und für die Nachwelt zu bewahren.

Bohlenweg.  

Der über 4 km lange Bohlenweg Pr VI (56-43 v. Chr.).

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