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Forschungsprojekt Kulturraum Oberweser

Ländlicher Hausbau, Wirtschaftsgeschichte und Denkmalpflege im Landkreis Holzminden


In den Jahren 2000-2003 ist im interdisziplinären Forschungsprojekt "Kulturraum Oberweser" der Landkreis Holzminden mit seiner reichhaltigen Haus- und Kulturlandschaft näher untersucht worden. Die Geschichte des ländlichen Hauses sowie die soziale und wirtschaftliche Entwicklung seiner Erbauer und Bewohner standen dabei im Vordergrund. Im Verlauf der frühen Neuzeit hat sich im ehemaligen Braunschweiger Weserdistrikt ein interessanter Bestand an Bauten und Quellen angesammelt, der eine detaillierte und umfassende Analyse erfolgversprechend erscheinen ließ.

Die demographischen und ökonomischen Entwicklungen vom 16. bis zum 19. Jahrhundert lösten eine tiefgreifende Veränderung der ländlichen Lebensbedingungen und des dörflichen Siedlungsbildes aus. Die Verfügung über die wichtigste Subsistenzgrundlage, den landwirtschaftlich bearbeitbaren Boden, wurde enger. Die besten Flächen waren verteilt, Neurodungen rechtfertigten oft nicht den Kultivierungsaufwand, insbesondere im Weserdistrikt war eine Ausweitung der Feldmarken in die Hanglagen sehr problematisch. Die Bevölkerungszunahme veränderte das dörfliche Siedlungsbild nachhaltig. Während die Ortskerne im 16. Jahrhundert noch einen relativ geschlossenen Verband landwirtschaftlicher Vollerwerbsstellen zeigten, führte der Bevölkerungsanstieg im 17. und 18. Jahrhundert zu einer neuen Siedlungsphase. Die neuen Stellen gliederten sich in einem fast geschlossenen Verband an die bestehenden Ortskerne an.

Die Braunschweigische Landesaufnahme des 18. Jahrhunderts ist eine Quelle von außergewöhnlichem Wert für die Wirtschafts-, Sozial- und Siedlungsgeschichte des gesamten Territoriums. Die Kombination von Informationen über die Grundlagen und Bedingungen dörflichen Wirtschaftens mit der besonderen Siedlungssituation jedes einzelnen Ortes ermöglicht die Anfertigung und den Vergleich von Sozial- und Wirtschaftstopografien. Über die Auswertung der kleinräumigen sozialökonomischen Zusammenhänge hinaus sind Aussagen über die Entwicklung des gesamten Untersuchungsraumes möglich.

Mit der Inventarisation exemplarisch ausgewählter Orte ist zunächst die Entwicklung des dörflichen Siedlungsbildes nachgezeichnet. Darüber hinaus wurde eine Differenzierung der gesamten Hauslandschaft nach zeitlichen, geografischen sowie sozial- und wirtschaftshistorischen Faktoren angestrebt. Mit der vertiefenden Untersuchung einzelner Objekte sind die historischen Lebensbedingungen anhand der Sachquelle "Haus" hinterfragt.

Der überlieferte Hausbestand des ehemaligen Weserdistrikts ist vom ausgehenden 16. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts bestimmt von giebelständigen Vierständer-Wandgerüstbauten mit Mittellängsdiele und zwei Vollgeschossen. Das ist ein in seiner frühen Entstehungszeit sehr "moderner" Haustyp, der mit vergleichsweise geringen funktionalen und konstruktiven Veränderungen über rund 300 Jahre gebaut wurde. Ähnlich verhält es sich bei der etwas kleineren Variante, dem Dreiständerbau. Dieser vornehmlich von unter- und mittelbäuerlichen Schichten errichtete Haustyp ist heute insgesamt seltener vertreten, wobei zu prüfen bleibt, inwieweit die Überlieferung das Bild verfälscht. Parallel dazu werden vereinzelt ab der Mitte des 18. Jahrhunderts und zunehmend ab 1800 traufständige, quer erschlossene Gebäude errichtet. Eine Hausform, der es im Weserdistrikt jedoch nie gelang die giebelständigen Typen abzulösen, zumal das Grundrissgefüge eines Mittelquerdielenhauses im Prinzip nur einen Vierständerbau mit gedrehtem First wieder gibt.

Herausragendes Merkmal der Hauslandschaft des Oberweserraumes ist ihr städtisches Gepräge. Dies betrifft sowohl das Siedlungsbild auch kleiner ländlicher Ortschaften als auch das Einzelobjekt dieser dicht besiedelten Mittelgebirgslandschaft. Die Frage nach den Wechselwirkungen zwischen Stadt und Land, aber auch die nach den möglichen Einflussfaktoren für den ländlichen Hausbau sind daher berücksichtigt worden.

Hof Lott, Bevern

Bevern, Breslauer Str. 17.

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