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Spuren und Schatten

Die "Kranenburg“ im Steinhuder Meer


Im Steinhuder Meer liegt vor Steinhude eine bei den Seglern und der Berufsschifffahrt ungeliebte Untiefe mit dem Namen "Burg", die mit der 1320 genannten Kranenburg identifiziert wird. Ältere Beschreibungen von 1767 sowie Funde von 1885 und später datieren die "Burg" in das späte Mittelalter. 1982 erfolgte eine erste topographische Vermessung der Stelle, die aber zu kleinmaßstäbig ausfiel.

Geophysiker im physischen Einsatz: Geomagnetische Messungen im August 2009 über der Untiefe "Burg“. Kunststoffboot mit dem Array aus acht Geomagnetik-Messsonden am Bug und einer Georadarantenne am Heck.

Schon lange suchte man nach geeigneten Methoden der Geophysik, die in einem sehr flachen Gewässer wie dem Steinhuder Meer eingesetzt werden konnten. Ende 2008 gelang es, eine kombinierte Prospektionsmethode (Geomagnetik, Radar, Sonar) zur zerstörungsfreien Erkundung im seichten Gewässer zu finden (Eastern Atlas, Berlin / SOSO - Sonder-Sonar Jena). Die ausgewählte Burganlage, die mutmaßliche Kranenburg im Steinhuder Meer, liegt kaum 1 m unter dem Wasserspiegel. Das Messgebiet umfasste eine Fläche von etwa 4 ha. Die Geomagnetik erwies sich als nicht günstig. Recht gute Informationen über das Relief des Untergrundes, die oberen Sedimentschichten und mutmaßliche Baustrukturen, ergaben Messungen mit dem Sonar und dem Radar, die ebenfalls vom Boot aus vorgenommen wurden. Die Arbeiten auf dem Wasser fanden zwischen dem 9. und 13. August 2009 statt. Die Daten mit Dokumentation lagen im Dezember 2009 dem Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege vor. Die Mittel stellte freundlicherweise das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur zur Verfügung.

Links geophysikalische Untersuchungen auf der „Burg“. Georadar, 500-MHz. Aufsummierte Amplituden bis 1,35 m Tiefe. Rechts Sedimentsonar, Tiefenkarte. Kartierung der Oberfläche. (Z.T. bearbeitet unter Verwendung von Google Earth).

Die Auswertung der Georadarmessung als farbkodierte Tiefenkarte lässt das Höhenrelief der gesamten Burgstelle erkennen, die als ovale Struktur mit einer Ausdehnung von circa 120 m auf 90 m zu beschreiben ist. Auffallend ist bei der Darstellung der aufsummierten Amplituden bis 1,35 m Tiefe eine dreischenkelige Struktur mit niedrigen Reflexionswerten, die eine Breite zwischen 2 m und 7 m zeigt. Im Süden ist die geradlinige Struktur circa 45 m lang, im Osten circa 19 m und im Norden circa 35 m. Anscheinend wird sie im Westen durch eine Kante beziehungsweise undeutlichere Längsstruktur geschlossen. Das Sedimentsonar (Tiefenkarte) lässt die bogenförmige Erhebung auf dem Burggelände ebenfalls erkennen.

Die Auswertung der Messungen zeigt, dass die Baugeschichte der mutmaßlichen Kranenburg komplexer ist als gedacht: eine erste zentrale Baustruktur (Burgplatz mit Graben?), die in die ovale größere Struktur mit ihrer Bebauung eingesetzt war?

Geophysikalische Untersuchungen auf der "Burg“. Georadar, 270 MHz und 500 MHz, Tiefenkarte.

Auf jeden Fall ist auch das Ziel erreicht worden, allen Planungsträgern und Interessenten Grundlagen für einen denkmalverträglichen Umgang mit der Untiefe "Burg", der mutmaßlichen Kranenburg von 1320, geschaffen zu haben. Das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege empfiehlt, die "Burg" von jeglichen Bau-, Ablagerungs- oder Baggerarbeiten frei zu halten. Die Untiefe "Burg" ist kein Störfaktor, sondern integraler Bestandteil der Kulturlandschaft und des Naturparks Steinhuder Meer, die den Hauptwert des Naherholungs- und Tourismusraumes mit seinem Sport- und Freizeitpotential ausmachen.

Dr. Hans-Wilhelm Heine

Praetoriuskarte 1768

Eintrag von Resten einer Burg, der mutmaßlichen Kranenburg, im Steinhuder Meer auf der Praetoriuskarte von 1768. Sign.: Staatsarchiv Bückeburg, STABU S 2 B 2567. Mit freundlicher Erlaubnis des Staatsarchiv Bückeburg.

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