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Wachsendes Interesse an der Celler Schlosskapelle

Kooperation von Kirche, Stadt und Land


An Denkmalen, die in angemessener Nutzung stehen, lassen sich Erhaltungsprobleme in der Regel einfach(er) lösen. Andererseits ist auch richtig, dass falsche Nutzung Denkmale gefährden oder sogar zerstören kann. Aber was hat das mit der Celler Schlosskapelle zu tun?

Innenansicht der Celler Schlosskapelle.
Innenansicht der Celler Schlosskapelle mit der weitesgehend erhaltenen Renaissance-Ausstattung des 16. Jahrhunderts.

Außergewöhnliche Bedeutung und eingeschränkte Zugänglichkeit.

Die Kapelle ist eines der schönsten Zeugnisse der norddeutschen Renaissancekunst. Als Bau- und Kunstdenkmal ist sie nicht nur von nationaler Bedeutung, sondern auch von europäischem Rang. Die Besichtigung der Kapelle ist deshalb meist ein fester Programmpunkt für die zahlreichen Schlossbesucher aus nah und fern.

Die prächtige Ausstattung, die zwischen 1565 und 1576 im Auftrag von Herzog Wilhelm wesentlich von Marten de Vos und seiner Antwerpener Werkstatt geschaffen wurde, kann allerdings seit 1995 nur durch Glas betrachtet werden. Der freie Zugang musste leider eingeschränkt werden, da die Aufnahmekapazität des relativ kleinen Kapellenraums in den 1980er Jahren bei weitem überschritten wurde: Mehr als 50.000 Besucher/Jahr dokumentieren nicht nur das erfreulich große Publikumsinteresse, sondern auch die extreme Belastung und Gefährdung durch Feuchtigkeit und Klimaschwankung.

Celle, Schlosskapelle.
Celle, Schlosskapelle: Links Mittelbild des Altares "Die Kreuzigung". Detail: rotes Gewand der mittleren Figur. Weißer Schimmelpilz wächst aus dem Malschichtkrakelee. Rechts Tafelgemälde "Abraham“ aus der Brüstung des Gestühls mit Riss.

Die Gefährdung ist mit dem bloßen Auge nicht erkennbar. Im Eingangsbereich der Kapelle wurde 1995 ein verglaster Besucherraum geschaffen, der den Einblick ermöglicht, aber die Feuchteeinwirkung und Klimaschwankung verhindert. Diese vor rund 20 Jahren getroffene Schutzmaßnahme war die Voraussetzung für die umfassende Konservierung und Restaurierung im Jahr 1998.

Der heutige Zustand ist erfreulich gut. Von den dramatischen Schäden der 1980er Jahre (Verformung der bemalten Holztafeln, abplatzende Malschichten und Schimmelbefall) ist auf den ersten Blick so gut wie nichts mehr zu erkennen. Zum einen, weil die Schlosskapelle seit 1998 durch einen Restaurator regelmäßig gewartet und gepflegt wird. Andererseits auch auf Grund des verglasten Besucherraums. Dieser gute Zustand darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die kostbare Ausstattung der Kapelle latent gefährdet ist und bleibt. Die unterschiedlich starke Nutzung und Beanspruchung der vergangenen rund 450 Jahre haben ihre Spuren nachhaltig hinterlassen. Die Schlosskapelle ist und bleibt daher ein "Pflegefall".

Dr. Erwin Stadlbauer

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  • Zunehmendes Interesse an der Schlosskapelle und ihrer Nutzung
  • Denkmalverträgliche Nutzung mit modernster Technik
  • Zusammenarbeit von Stadt, Land und Kirche
Hinweisschild EFRE

Zusammenarbeit von Kirche, Stadt und Land vereinbart

Im Dezember 2013 wurde auf Initiative des NLD und der OFD/Staatliches Baumanagement Lüneburger Heide eine Arbeitsgruppe gebildet. Mitwirkende sind die Stadt Celle, der Ev.-luth. Kirchenkreis Celle und die Ev.-luth. Landeskirche Hannovers, die HAWK Hildesheim/Fakultät Bauen und Erhalten (Fachrichtung Konservierung und Restaurierung), die Hochschule Hannover sowie Fachleute der Bauphysik und Klimatechnik, der Holzforschung, der Mikrobiologie und der Archäometrie.

In einem ersten Schritt erfolgte die Gefährdungsbeurteilung der Schlosskapelle von Juni 2014 bis Februar 2015 (Federführung durch HAWK und NLD, Finanzierung aus Mitteln der EU-Kulturförderung (EFRE) und des Landes Niedersachsen).

Außenansicht der Celler Schlosskapelle.
Artikel-Informationen

Ansprechpartner/in:
Hon. Prof. Dr. Erwin Stadlbauer

Abteilungsleiter
Scharnhorststraße 1
30175 Hannover
Tel: 05 11 / 9 25 - 52 37

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