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Ein Gruß des späten Neandertalers

Von Thomas Terberger, Jens Lehmann und Friedhelm Wulf

Gerade einmal 8,2 cm lang und 4,2 cm breit ist ein spannender Neufund aus Barnten, den Thomas und Robin Müller aus Giften dem NLD gemeldet haben. Bei ihren regelmäßigen Besuchen in den Kiesgruben des Leinetals haben sie das weiß patinierte Feuersteinartefakt auf der Überkornhalde entdeckt. Das Stück ist alt gebrochen und dürfte ursprünglich etwa 11-12 cm groß gewesen sein. Die auf beiden Flächen durchgehende, sorgfältige Bearbeitung erlaubt, das Stück als Blattspitze anzusprechen. Auf den ersten Blick können solche Artefakte mit einer abgenutzten kleinen Sichel aus der Bronzezeit verwechselt werden. Doch neben der typischen regelmäßigen Form lässt im vorliegenden Fall auch die ausgeprägte Patina keinen Zweifel daran, dass hier ein vom späten Neandertaler bearbeitetes Artefakt vorliegt, das etwa 45.000 Jahre alt ist. In den letzten Jahren sind weitere Blattspitzen in Niedersachsen – vor allem aus den Kiesgruben des Leinetals - gemeldet worden (vgl. E. Cosack/ F. Kobbe, NNU 85). Doch auch den Begehungen von Reinhard Leibecke auf einem Geländesporn nahe Dassel in Südniedersachsen verdanken wir eine gut erhaltene Blattspitze mit gerundeter Basis. Die Funde der letzten Jahre zeigen, dass der späte Neandertaler in Niedersachsen mehr Spuren hinterlassen hat als bislang bekannt. Diese Erkenntnis passt zu den wichtigen Fundstellen des (späten) Neandertalers aus dem Land: Lichtenberg im Wendland und Salzgitter-Lebenstedt. Die niedersächsischen Fundstellen haben einen erheblichen Anteil daran, dass sich das Bild des späten Neandertalers in den letzten Jahrzehnten deutlich gewandelt hat und er heute als eine dem modernen Menschen nahezu ebenbürtige Menschenform angesehen wird. Bleibt die Frage, wozu Blattspitzen verwendet wurden. Wiederholt hat man sie als Bewehrungen von Waffen interpretiert, doch auch eine messerartige Funktion kommt in Betracht. Die neue Blattspitze aus Barnten gibt dazu einen kleinen Hinweis: der alte Bruch geht eindeutig auf einen Schlag zurück. Die Spitze wurde also gezielt durchtrennt und ein solches Vorgehen passt kaum zu einer Verwendung als Projektil. Das NLD dankt den ehrenamtlichen Helfern für Ihren Einsatz und den wichtigen Neufund!

Feuersteinartefakt aus Barten (b)  
Feuersteinartefakt aus Barten (a)  
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