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Abschiedstrunk?

Ein Beigefäß aus einem spätbronze-/früheisenzeitlichen Kreisgraben bei Suddendorf


Von Jana Esther Fries

Suddendorf, ein Stadtteil von Schüttdorf, liegt am südwestlichen Rand Niedersachsens, im Landkreis Grafschaft Bentheim. Vor der Erschließung eines Wohngebietes wurden hier im Frühjahr 2016 und im Sommer 2017 auf knapp einem Hektar Grabungsfläche Befunde aus fünf Epochen dokumentiert:

· mesolithische Herdgruben

· wenige Gräber vom späten Neolithikum bis zur mittleren Bronzezeit

· ein spätbronze-/früheisenzeitliche Gräberfeld mit Kreisgräben und Schlüssellochgräben

· mittelalterliche bis neuzeitliche Siedlungsgruben und ein Graben

· frühneuzeitliche Wegespuren

Drei Gräber der Einzelgrabkultur stehen am Beginn eines Gräberfeldes, das bis in die frühe Eisenzeit bestand. Zu dieser Nekropole gehören Körpergräber, Urnenbestattungen und Leichenbrandlager. Ein Teil der Bestattungen erfolgte zentral unter Hügeln, ein Teil als Nachbestattungen in und ein weiterer zwischen den Hügeln. 24 Grabanlagen waren durch einen Kreisgraben und drei durch einen schlüssellochförmigen eingehegt und höchstwahrscheinlich überhügelt. Vermutlich 25 weitere Gräber besaßen weder Graben noch Hügel.

Im Südosten des Gräberfeldes lag ein kleinerer Kreisgraben (Dm. 3,95 m), der in einer zentralen Grabgrube eine doppelkonische Urnen enthielt. Der besondere Fund dieser Anlage ist ein kleines Keramikgefäß. Solche kleinen Beigefäße wurden üblicherweise mit in die Urne oder die Grabgrube gegeben.

In diesem Fall wurde der Fund jedoch in dem umgebenden Graben gemacht. Das kleine, fast vollständige Gefäß von nur 7 cm Höhe wirkt wie eine Miniatururne und besitzt eine umlaufende Rille zwischen Hals und Schulter. Es lag auf der Seite, mit der Öffnung nach Osten und schon lange vor der Ausgrabung war der Boden beschädigt worden. Dies deutet darauf hin, dass es im Zuge der Bestattung oder einer späteren „Totengedenkfeier“ benutzt, absichtlich beschädigt und im Graben deponiert wurde. Möglicherweise können wir hier also ein Bestattungs- oder Gedenkritual fassen. Da die Gräber der späten Bronze-/frühen Eisenzeit im Raum Weser-Ems meist sehr geringe Beigaben enthalten ist diese Beobachtung von besonderer Bedeutung.

Weitere Einzelheiten über den Fundplatz können Sie der beigefügten PDF-Anlage entnehmen.

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