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Die Spur der Sandalennägel

Hintergründe zu der Entdeckung eines römischen Schlachtfeldes am Harzrand


Als im Sommer 2008 zwei Sondengänger der Kreisarchäologie Northeim römische Militaria vorlegten und die Fundstelle bei einer ersten Begehung bestätigt wurde, war der Enthusiasmus über den Neufund getrübt durch die Befürchtung, dass der Ort durch illegale Sondengänger ausgeplündert werden könnte. Es gab Hinweise, dass bereits erste Gerüchte in der Sondengänger-Szene kursierten und Fahrzeuge mit fremden Kennzeichen wurden abends in der Nähe gesichtet. Es war klar, dass nur wenig Zeit blieb, um die Ausdehnung der Fundstelle ungestört zu prospektieren.

Münze und Hipposandale
Die abgegriffene Münze mit dem Porträt von Kaiser Commodus ist der bisher beste Datierungshinweis. Restaurierte Hipposandale. Vom Fundplatz liegen mehrere Hipposandalen vor, die offenbar von dem römischen Tross stammen.

In dieser fast ausweglosen Situation fiel die Entscheidung zugunsten eines ungewöhnlichen Experiments: Die Bezirksarchäologie Braunschweig arbeitet seit mehreren Jahren mit einer Gruppe von Sondengängern zusammen, der IG Ostfalensucher. Diese führen gezielte Begehungen durch und arbeiten ausschließlich mit Genehmigungen der Denkmalbehörden.

Das Geheimnis blieb bewahrt

Am letzten Augustwochenende kamen elf Metallsonden, geführt von erfahrenen Sondengängern, am Harzhorn zum Einsatz. Im Lauf des Tages wurde klar, dass es sich um kein Lager, sondern um ein weitläufiges Gefechtsfeld handelt. In den folgenden Wochen wurden in kleinen Gruppen Umfeldprospektionen durchgeführt, mit größeren Teams dann geortete Fundkonzentrationen systematisch erfasst. Die Suche erfolgte ohne Metall-Diskrimination an den Geräten, sodass es möglich war, auch kleinste Eisenobjekte (Sandalennägel) zu lokalisieren und zu bergen. Mit den Geländeteams der Kreisarchäologie Northeim und der Bezirksarchäologien Hannover und Braunschweig waren neben den Ostfalensuchern bis zu vier Archäologen und fünf Grabungstechniker tätig. So schwer es manchem fiel, gelang es bis zuletzt, das Geheimnis zu bewahren.

Pressetermin 2008
Bei dem Pressetermin am 15. Dezember 2008 waren im Gelände die Fundstellen der Objekte mit eingefärbten Tennisbällen markiert, um die Situation zu veranschaulichen.

Alle lokalisierten Funde wurden freigelegt, in situ dokumentiert und geborgen. Schwierig gestalteten sich die Einmessungen in dem sehr bewegten und bewaldeten Gelände. Die Funde wurden mit einer SAPOS-Station erfasst und sofern irgend möglich zusätzlich mit einem elektrooptischen Tachymeter. Ein Airborne Laserscan konnte erst im Dezember realisiert werden, nachdem die Bäume ihre Blätter verloren hatten. Als Mitte September die Bedeutung der Fundstelle feststand, stellte das Ministerium für Wissenschaft und Kultur Sondermittel zu Verfügung. Gleichzeitig wurden erste Fundkomplexe von einem Fachrestaurator bearbeitet und eine wissenschaftliche Filmdokumentation des Projektes in Auftrag gegeben. Als ab dem 15. Dezember Medien in aller Welt über den Neufund berichteten, war die Prospektionsphase abgeschlossen und die Archäologie hatte ihren Kampf um das Harzhorn gewonnen.

Michael Geschwinde und Petra Lönne

(aus: Archäologie in Deutschland 2/2009, S. 38-39)

... mehr siehe pdf-Download

Rekonstruktion einer Sandale.

Rekonstruktion einer römischen Sandale.

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