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Montanarchäologie im Harz

Referat A6


Referent
Dr. Lothar Klappauf
Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege
Arbeitsstelle Montanarchäologie
Bergtal 18
38640 Goslar
Tel: 0 53 21 / 3 17 - 4 88
lothar.klappauf@nld.niedersachsen.de

Projektleitung
Welterbe Oberharzer Wasserwirtschaft
Katharina Malek M.A.
Tel: 0 53 21 / 3 17 - 4 87
katharina.malek@nld.niedersachsen.de

Montanarchäologie.
Links Blick in den 1673 aufgefahrenen Johann-Friedricher Wasserlauf. Rechts Flugfunken aus dem Verhüttungsprozeß des 10. Jahrhunderts aus dem Bereich des Schmelzofens.

Die Montanarchäologie im Harz erforscht die durch das Montanwesen seit der Steinzeit geprägte Landschaft. In Kooperation mit verschiedensten Wissenschaftsdisziplinen erfasst, untersucht und schützt sie die meist unbekannten und unbeachteten Bodendenkmale. Damit gelingt es ihr ein immer realeres Geschichtsbild dieser Region zu zeichnen. Der neuzeitlichen, industriellen Betriebsphase des Harzer Montanwesens gehen Jahrhunderte älterer Bergbauaktivitäten voraus. Ausgrabungen im südlichen Harzvorland bei Düna/Osterode hatten schon nachgewiesen, dass die Harzer Erze bereits seit Christi Geburt in größerem Maße genutzt wurden. Immer mehr häufen sich nun, vor allem durch metallurgische Untersuchungen, die Hinweise, dass die Metalle des Harzes bereits in der Bronzezeit (um 1000 v.Chr.) genutzt wurden und der Harz eine entscheidende Rolle in der Versorgung Nordeuropas mit Metallen - vor allem Kupfer, Blei und Silber - seit der Bronzezeit einnahm.


Montanarchäologie.
Links Riefenbach, Bad Harzburg, Fußabdruck des Hüttenmannes vom Schmelzplatz des 12. Jahrhunderts. Rechts Rammelsberg bei Goslar, Lederschuh aus dem verfüllten Tagebau des Alten Lagers um 1025 n. Chr.

Detaillierte Untersuchungen an Hütten des 9. bis 13. Jahrhunderts n.Chr. lassen die Entwicklung hochspezialisierter Schmelztechniken erkennen und spiegeln die Erschließung des Mittelgebirges. Ausgrabungen an der Lagerstätte "Altes Lager" im Rammelsberg bei Goslar vermitteln einen ersten Eindruck vom Bergbau im Mittelalter. Bergbau ist extrem energieintensiv, vor allem wenn er in größere Teufen vorstößt. Deshalb entwickelten Harzer Bergleute ein ausgeklügeltes, hochkomplexes Energiegewinnungssystem aus etwa 143 Stauteichen, 500 km Kunstgräben, 150 km Wasserlösungsstollen und 30 km unterirdischen Wasserläufen - die so genannte Oberharzer Wasserwirtschaft. So konnten höchst effizient Entwässerungspumpen betrieben sowie das Erz transportiert und verhüttet werden.

Damit gilt die Oberharzer Wasserwirtschaft als das weltweit bedeutendste Wassersystem zur Energiegewinnung aus der vorindustriellen Zeit. 2010 wurde sie durch das UNESCO Welterbekommitee in die Liste des Kultur- und Naturerbes aufgenommen. Die Montanarchäologie arbeitet mit zahlreichen Partnern aus dem In- und Ausland interdisziplinär zusammen. Dabei wird sie von vielen Ehrenamtlichen tatkräftig unterstützt.

Konserviertes Buchenblatt.

Buchenblatt, konserviert im kupferoxid-haltigen Boden eines Hüttenplatzes.

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