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»Ein Volk dankt seinem Führer«. Die Reichserntedankfeste am Bückeberg bei Hameln und der schwierige Weg zu einem Dokumentations- und Lernort

Am 4. Juni 2018 findet der zweite Montagsvortrag des Jahres im Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege statt. Bernhard Gelderblom stellt die Reichserntedankfeste am Bückeberg bei Hameln vor und beschreibt den schwierigen Weg zu einem Dokumentations- und Lernort.

Uniformierte Formationen auf dem Mittelweg, 1934
Uniformierte Formationen auf dem Mittelweg, 1934

Das Reichserntedankfest am Bückeberg bei Hameln war eines der größten Massenfeste der Nationalsozialisten. Bei den Kundgebungen unter freiem Himmel sollte nach der NS-Ideologie die "Volksgemeinschaft" erlebbar werden. Das Fest – zum ersten Mal gefeiert am 1. Oktober 1933 – besetzte und überformte einen kirchlichen Feiertag. Wichtigster Programmbestandteil war eine große, bis zu einer Stunde dauernde Militärübung. Zuletzt nahmen über eine Million Menschen aus dem ganzen Deutschen Reich teil, darunter führende Nationalsozialisten.

Als Festplatz diente eine künstlich abgeflachte Rasenfläche am Nordhang des Bückeberges mit idyllischem Blick auf die Weser, die Albert Speer in fünfjähriger Arbeit nach einer Idee von Propagandaminister Joseph Goebbels als eine Art amphitheatralische Naturbühne gestaltet hatte, auf der die Masse sich selbst sehen und an ihrer Größe berauschen konnte. Der wie ein Laufsteg erhobene "Führerweg", auf dem der Diktator das Bad in der Menge nahm, ist noch heute zu betrachten.

Seit 2011 steht das Gelände in der Gemeinde Emmerthal unter Denkmalschutz. Historiker messen ihm eine Bedeutung als historischer Erinnerungsort auf nationaler Ebene bei. Denn es gehört neben dem Reichsparteitagsgelände in Nürnberg, den Ruinen des KdF-Seebades Prora auf Rügen und dem einstigen Reichssportfeld Berlin zu den wenigen noch bestehenden Orten, an denen die Nationalsozialisten um Zustimmung in der Bevölkerung warben und die Volksgemeinschaft manipulativ inszenierten.

Nach der Denkmaleinstufung stellte sich die Frage nach einem Vermittlungskonzept für das Gelände, für das es bis dahin keinerlei Informationen vor Ort gab. Nach einer Reihe von Workshops, Fachforen und öffentlichen Veranstaltungen entschied der Kreistag des Landkreises Hameln-Pyrmont im März 2018 zugunsten eines Lern- und Dokumentationsortes. Der ausgewählte Gestaltungsentwurf wurde öffentlich präsentiert. Seine Umsetzung, die auch die Stiftung niedersächsische Gedenkstätten unterstützt, ist noch für dieses Jahr vorgesehen.

Der Vortrag von Bernhard Gelderblom wird anhand reichen Bildmaterials etwas zum Charakter und der Zielsetzung des neben dem 1. Mai in Berlin größten Massenaufmarsches der NS-Zeit sagen. Er wird u. a. auch den massiven Widerstand von Teilen der örtlichen Bevölkerung Emmerthals zuerst gegen den Denkmalschutz, dann gegen die Schaffung eines Dokumentationsortes thematisieren. Und er wird den aus einem Auswahlprozess hervorgegangenen Entwurf der Arbeitsgemeinschaft Jung/Ermisch/Kerck vorstellen, dessen Realisierung nun ansteht.

Gelderblom war bis 2006 Lehrer am Albert-Einstein-Gymnasium in Hameln. Er hat sich intensiv mit der jüdischen und der NS-Geschichte der Region beschäftigt und zahlreiche Darstellungen verfasst. Im Jahr 2010 gründete er den Verein für regionale Kultur- und Zeitgeschichte Hameln e. V., dessen Vorsitz er seitdem innehat. Für seine Arbeit ist Bernhard Gelderblom 2008 mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande und 2009 mit dem Obermayer German Jewish History Award geehrt worden. Mit dem Bückeberg beschäftigt er sich seit 1998. Seine Ausstellung dazu wurde u. a. in Nürnberg, am Obersalzberg und im Landesmuseum Braunschweig gezeigt.

Vortrag von Bernhard Gelderblom (Hameln): "Ein Volk dankt seinem Führer". Die Reichserntedankfeste am Bückeberg bei Hameln und der schwierige Weg zu einem Dokumentations- und Lernort
Wo: Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege, Scharnhorststraße 1, 30175 Hannover
Wann: 04.06.2018, 18.00 Uhr

Bückeberg  
Blick durch das Wesertal auf den Bückeberg, Hagenohsen, mit dem gemähten früheren Festplatz und Hagenohsen. Der erhöhte Mittelweg ist ungemäht und dunkler, an seinem Ende oben in der Buschgruppe liegen die Reste der früheren Ehrentribüne.

Die weiteren Montagsvorträge 2018 finden jeweils am ersten Montag jedes Monats statt:

03.09.2018 Simon Paulus (Braunschweig): Von Mitbringseln, Arbeitsproben und Planschätzen – Neu entdeckte Architekturzeichnungen zu kurhannoverschen Bauprojekten des 18. Jahrhunderts

01.10.2018 Benjamin Wehry/Susanne Kuprella (Berlin): Bewegte Zeiten. Archäologie in Deutschland. Vortrag zur Ausstellung im Martin-Gropius-Bau anlässlich des Europäischen Kulturerbejahrs

05.11.2018 Monika Lehmann/Dorte Schaarschmidt (Hannover): Die Konservierung menschlicher Überreste aus der Zeit des Völkermordes in Ruanda – Amtshilfe in einem internationalen Kooperationsprojekt

03.12.2018 Gerhard Lenz (Goslar): Weltkulturerbe im Harz. Vortrag im Rahmen der Ausstellung "Kunst trifft Montanarchäologie"

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